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Friederike Allner

Kritik der Abstraktion – Wege der Konkretion. Vier Elemente eines konkreten Normativitätsverständnisses mit Hegel, Gadamer und Derrida

Das Projekt untersucht ausgehend von Hegel und im Anschluss an neuere normativitätstheoretische Ansätze ein Grundproblem der Frage nach dem Verpflichtungscharakter von Normen. Es nimmt eine Grundthese des Graduiertenkollegs auf, nach der die Bindung an eine Norm kein Automatismus ist, sondern in einem komplexen Vorgang besteht, der die Möglichkeit zu Kritik und Wandel wesentlich einschließt.

Das Projekt ist von Grund auf interdisziplinär angelegt. Es hat über die philosophischen Fragen hinaus auch rechtstheoretische Fragen zum Gegenstand. Es ist aber auch von seiner systematischen Fragestellung her darauf ausgerichtet, in den Austausch mit allen am Kolleg beteiligten Disziplinen zu treten. Einerseits stellt es theoretische Grundlagenüberlegungen an, die es in den interdisziplinären Dialog einbringen kann. Andererseits kann es von anderen Projekten lernen, weil das, was im Projekt als konkrete Normativität beschrieben wird, in rechtlichen und künstlerischen Praktiken tatsächlich stattfindet. Was im Projekt philosophisch entwickelt wird, muss sich an diesen Praktiken bewähren und messen lassen.
Normativität wird im Projekt mithilfe der Hegelschen Begriffe von Abstraktion und Konkretion erläutert. Die systematische Hauptthese besagt, dass, um die Verpflichtung durch Normen richtig verstehen zu können, Normativität nicht abstrakt, sondern konkret verstanden werden muss. In einem abstrakten Normativitätsverständnis stehen sich die Norm und ihr Anwendungsfall getrennt gegenüber. Abstrakt aufgefasste Normativität verfehlt dadurch, was sie leisten soll. Hingegen erfordert gelingende Normativität ein konkretes Normativitätsverständnis. Darin werden Norm und Gegenstand kokonstitutiv verstanden. Um die Hauptthese aus der Interaktion mit anderen Projekten heraus zu entwickeln, sollen Problembeschreibungen und Lösungsvorschläge aus der Hegelschen Philosophie und der hermeneutischen und dekonstruktiven (Rechts-)Philosophie sowie aus neueren rechtstheoretischen Debatten angeboten werden. Es soll gezeigt werden, dass ein konkretes Normativitätsverständnis vier Elemente einschließt: Erstens ist normatives Handeln als Handeln unter Bedingungen der Ungewissheit zu begreifen, zweitens besteht es in einer Praxis distanzierender Teilnahme, drittens erfordert es eine Fähigkeit zum Umgang mit nicht reproduzierbaren praktischen Situationen, viertens ist es von einer irreduziblen Spannung zwischen Norm und Gegenstand bestimmt.

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