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Qualifizierungskonzept

Mitglieder des GRKs 2638 beim Jahreseröffnungswochenende 2021

Mitglieder des GRKs 2638 beim Jahreseröffnungswochenende 2021

Der Schwerpunkt des GRKs liegt auf der Qualifizierung von Doktorand*innen im Rahmen eines fokussierten Forschungsprogramms und einer strukturierten Förderungsstrategie. Das Qualifizierungsprogramm ist so angelegt, dass die Doktorand*innen innerhalb von drei Jahren ihre Dissertation abschließen können. In den ersten vier Semestern wird jede Kohorte an Veranstaltungen (im Kolloquium des GRKs, in Seminaren und Workshops, mit und ohne Gäste) zu den vier oben genannten Themenschwerpunkten teilnehmen. Die Doktorand*innen gestalten diese Veranstaltungen mit und werden ermutigt, Gäste einzuladen, die an für sie relevanten Themen arbeiten. Im dritten Jahr werden die Doktorand*innen weitgehend von Veranstaltungen freigestellt, damit sie sich in der letzten Arbeitsphase ganz auf ihre Dissertation konzentrieren können. Die Postdocs sollen im Rahmen des GRKs eigenständige Forschung betreiben. Mit ihren umfangreicheren Forschungsprojekten unterstützen sie die Doktorand*innen bei der Schärfung des Qualifizierungs- und des Gastprogramms. Die Post-Docs sorgen außerdem dafür, dass der Fokus des GRKs über die verschiedenen Kohorten hinweg kohärent bleibt.

Da die Zusammenarbeit der Docs mit Postdocs und Betreuer*innen unweigerlich mit den thematischen Gegenständen ihrer jeweiligen Arbeit verwoben ist, verfolgt das GRK 2638 das Ziel, einen interdisziplinären und offenen Mikroraum für die Promovierenden und die Post-Docs zu schaffen. Dieses Ziel umfasst folgende Punkte:

Kooperation und Teamplay

In einem akademischen Umfeld, das immer stärker von Konkurrenzdenken und Ellbogenmentalität geprägt ist, versuchen wir, einen Raum zu schaffen, der eine produktive Form des gemeinschaftlichen Arbeitens ermöglicht. Wir verstehen uns als eine Lerngemeinschaft. Dies beinhaltet die Anerkennung des intersubjektiven Charakters der Wissensproduktion und die Verpflichtung zu einer kontinuierlichen Reflexion der Hierarchien zwischen Wissenschaftler*innen in unterschiedlichen Positionen. Die Teilnahme am GRK setzt ein Verständnis gemeinschaftlichen Arbeitens als epistemischen Wert voraus. Das Zusammenführen von 10 verschiedenen Disziplinen in einem gemeinsamen Forum ist ebenso anspruchsvoll wie ambitioniert. Um diese Konstellation fruchtbar zu machen, müssen wir sicherstellen, dass unproduktive Formen der Eigenwerbung oder Selbstdarstellung eines jeden Mitglieds des GRKs angesprochen werden können.

Interdisziplinarität und die Rolle der Theorie

Trotz aller methodischen und phänomenalen Unterschiede haben alle am GRK beteiligten Disziplinen ihren Ursprung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Wir verstehen das GRK als einen Raum, in dem sich die 10 beteiligten Disziplinen gegenseitig bereichern sollen und damit die Forscher*innen herausfordern, über kleinräumige Vorstellungen des disziplinären Zusammenhaltes hinauszudenken. Innerhalb des GRK wird sowohl den Promovierenden als auch den Post-Doc-Forscher*innen ein Forum eröffnet, das die Gruppendiskussion über grundlegende Strukturen normativer Praktiken fördert und es ihnen ermöglicht, eine theoretische Perspektive auf ihre jeweiligen Forschungsthemen einzunehmen. Der gemeinsame Dialog soll es den Kollegiat*innen ermöglichen, die spezifischen Unterschiede ihrer Forschungsobjekte in Bezug auf die betreffende Struktur besser zu erfassen, und ihnen helfen, ihre Fähigkeit zu verbessern, diese Unterschiede zu artikulieren. Auf diese Weise möchte das Kolleg die Entwicklung neuer theoretischer Ansätze in den beteiligten Disziplinen fördern. Entsprechend möchte das GRK Doktorand*innen gewinnen, die an einem verstärkt theoretischen Ansatz in ihren Disziplinen interessiert sind.

Positionalität

Da Wissen immer situiertes Wissen ist, ist es wichtig, in der akademischen Zusammenarbeit die unterschiedlichen Positionen in Bezug auf Ethnie, Klasse, Geschlecht, Sexualität, Staatsbürgerschaft und andere soziale Kategorien zu berücksichtigen. Unser Verständnis von Diskriminierung ist intersektional und lehnt es ab, Hierarchien zwischen verschiedenen Formen der Unterdrückung zu etablieren. Wir erkennen an, dass der Zugang zu akademischen Praktiken wie einem GRK von kulturellem, wirtschaftlichem und sozialem Kapital abhängig ist. Wir verpflichten uns der Idee, implizites Wissen explizit zu machen – um Erwartungen und Verwaltungsverfahren zu klären und um Forscher*innen aus einem anderen akademischen System oder einer anderen Klassenherkunft willkommen zu heißen. Wir ermutigen Bewerbungen aus dem Globalen Süden. Wir bieten Workshops zu Diversität und kritischer Praxis im akademischen Betrieb an. Schließlich haben wir eine Ombudsperson eingesetzt, die bewusst außerhalb der Strukturen des GRKs positioniert ist und an die man sich mit allen Fragen bezüglich struktureller Diskriminierung und unproduktiver Formen des Konflikts wenden kann.

Sprache

Wie bereits erwähnt, möchten wir internationale Forscher*innen gewinnen, die an einem verstärkt theoretischen Ansatz interessiert sind. Da theoretische Arbeit wesentlich an Sprache gebunden ist, wollen wir einen zweisprachigen Raum schaffen. Englisch und Deutsch werden im Kolleg gleichberechtigt gesprochen werden kann. Das GRK verlangt zumindest ein passives Verständnis des Deutschen (und Englischen) auf einem akademischen Niveau. Diejenigen, die noch nicht über ein entsprechendes Niveau im Deutschen verfügen, können für den Erwerb weitergehender Sprachkompetenzen vom Kolleg Unterstützung erhalten.

Soziales Engagement und akademische Intervention

Wir verstehen Forschung als einen Beitrag zu Kritik, Reflexion und Transformation sozialer Ungerechtigkeiten. Dies bedeutet, dass wir wissenschaftliche Arbeit als wichtige Intervention in dominante Diskurse betrachten. Das GRK wird einen interdisziplinären Ansatz verfolgen, um besser zu verstehen, wie kritische Reflexion als konstitutiver Bestandteil sozialer Praktiken und ihrer Dynamik verstanden werden kann. Das GRK möchte Nachwuchswissenschaftler*innen in ihrer entsprechenden eigenständigen Arbeit unterstützen, indem es ihnen neue Perspektiven auf ihre Disziplinen vermittelt und sie mit den erforderlichen Fähigkeiten ausstattet, ihre Arbeit innerhalb der Universität und auch für eine transdisziplinäre Öffentlichkeit zu präsentieren.

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