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Kaspar Aebi

AebiKaspar

Filmwissenschaft

Akademischer Werdegang

Seit 2024 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am DFG-Graduiertenkolleg 2638 „Normativität, Kritik, Wandel“.


Master in Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Masterarbeit: Verhältnissetzung durch Kinoarchitektur. Der Kasch als Element räumlicher Vermittlung und Abschirmung im Kinoraum.


Bachelor in Kulturanthropologie und Medienwissenschaft an der Universität Basel.


Berufstätigkeit

Seit 2022: Projektkoordination Archivdigitalisierung mit Schwerpunkt auf Film, Video und Audio
Berliner Künstlerprogramm des DAAD

2020-2022: Kopiendisposition Kino, Programmkoordination, Textredaktion
Sinema Transtopia / bi’bak

2015-2019: Webmaster
Bildrausch Filmfest Basel

Kinoasyl. Raumpolitiken zwischen Stadt, Kino und Film (AT)

„The view of place advocated here, where localities can in a sense be present in one another, both inside and outside at the same time, is a view which stresses the construction of specificity through interrelations rather than through the imposition of boundaries and the counterposition of one identity against an other”

  • Doreen Massey: Space, Place and Gender. Cambridge, Oxford 1994.

Orte sind ein „product of our relations with each other“ (Doreen Massey/Nigel Warburton). Das Kino und die darin gezeigten Filme bilden dabei keine Ausnahme. In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit filmischem Raum, dem Kino, und der umgebenden Stadtlandschaft als ästhetisch, sozial und kulturell hergestelltem, relationalem Verhältnis. Im Zentrum stehen Momente räumlicher Öffnung und Schließung, in denen ästhetische und soziopolitische Ordnungen miteinander in Verbindung treten. Ich gehe davon aus, dass räumliche Ordnungen grundlegend normativ und transformativ sind: Über sie wird verhandelt, was als Innen oder Außen gilt, wer ein- oder ausgeschlossen wird und wie unterschiedliche räumliche Positionierungen zu einander im Verhältnis stehen.

Welche Möglichkeiten bietet das Kino als Ort produktiver, aneignender Rezeption für alternative Gegenöffentlichkeiten, welches Verhältnis konstituiert sich dabei zu einem urbanen Außen und wie werden so filmische Bilder der Stadt neu kontextualisiert?

Die Dissertation gliedert sich in zwei Teile:

Teil 1: Kino, Gender, Großstadt

Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Kino als urbaner Gegenöffentlichkeit und verbindet feministische Kinotheorie (Heide Schlüpmann, Gertrud Koch, Miriam Hansen), Queer Theory (Michael Warner, Eve Kosofsky Sedgwick, José Esteban Muñoz) und kritische Stadtforschung (Henri Lefebvre, Doreen Massey, Rosalyn Deutsche, Quill R Kukla).

Die Argumentation folgt drei Schwerpunkten, die über eine Beschäftigung mit räumlicher Schließung und Öffnung miteinander in Korrespondenz stehen:

  1. Der erste Schwerpunkt nimmt die urbane Klassen- und Geschlechterpolitik des Stummfilmkinos in den Blick, wie sie von allem in der Rezeption der ‚Frankfurter Schule‘ durch die feministischen Filmtheorie (u.a. bei Heide Schlüpmann, Miriam Hansen und Gertrud Koch) thematisiert wurde. Im Zentrum steht dabei die Idee des Kinoraums als „Asyl“ (Theodor Adorno/Max Horkheimer) bei der Kinotheoretikerin Heide Schlüpmann sowie Alexander Kluges und Oskar Negts Konzeption von „Gegenöffentlichkeit“ bei der Filmhistorikerin Miriam Hansen.

  1. Der zweite Schwerpunkt thematisiert das Kino als queere „Gegenöffentlichkeit“ (Michael Warner, Chris Tedjasukmana, José Esteban Muñoz) und als „closet space“ (Michael P. Brown, Eve Kosofsky Sedgwick). Untersucht werden zwei essayistische Auseinandersetzungen mit Cruising-Kinos in der rassifizierten und gegenderten „Cityscape“ der New Yorker 42nd Street: James Baldwins „Freaks and the American Ideal of Manhood“ (1985) und Samuel R. Delanys „Times Square Red, Times Square Blue“ (1999).

  1. Der dritte Schwerpunkt beschäftigt sich mit städtischen Aneignungspraxen, Kinobesetzungen und filmischer Imagination. Der Fokus richtet sich auf ein illegales Kino in den Pariser Katakomben, das in Korrespondenz mit filmisch-kartographischen Aneignungspraxen der Situationistischen Internationale im Vorfeld des Pariser Mai 68 gelesen wird. Dabei geht es um die gegenseitige Beeinflussung sozialer und ästhetischer Produktion von Raum (Henri Lefebvre, Doreen Massey, Derek Gregory, Edward W. Soja, Rosalyn Deutsche), um die Frage nach einem „Recht auf Stadt“ (Henri Lefebvre) und um die Grundbedingungen für „spatial agency“ (Quill R Kukla) im Stadtraum.

Teil 2: Ein offenes Obdach

Im zweiten Teil soll die im ersten Teil entwickelte stadtpolitische „Theorie des Kinos“ (Karsten Witte) mit einer politischen Ästhetik filmischer Rahmung verbunden werden. Auch hier liegt ein besonderer Fokus auf Prozessen und Praktiken räumlicher Öffnung und Schließung.

Als Ausgangspunkt des zweiten Teils dient ein Vergleich, den die Designtheoretikerin Doris Agotai zwischen André Bazins Begriff des „Kasch“ und Frank Lloyd Wrights „Destruction of the Box“ zog. Bazin beschreibt mit dem Begriff des „Kasch“ die filmische Bildbegrenzung als flächige Abdeckung, vergleichbar mit der Wirkung einer abschirmenden Wand. Entsprechend endet die filmische Welt bei Bazin nicht an den Bildrändern, sondern existiert jenseits dieser rahmenden Abschirmung weiter. Statt an eine rein formale Setzung einer Bildbegrenzung erinnert der „Kasch“ vielmehr an die architektonische Organisation von Abschirmung und Durchsicht in einem dreidimensionalen (architektonischen) Raum. Gemäß Agotai falle diese Konzeption der filmischen Rahmung mit der Entwicklung in der modernen Architektur zusammen, Wände als Abschirmungen zu begreifen, die ihrerseits ein Spiel aus Einschließung und Öffnung und so ein fließendes Raumkontinuum ermöglichen – eine Entwicklung, die mit Bezug auf einen Text des Architekten Frank Lloyd Wright als „Destruction of the Box“ bezeichnet wird.

Auf dieser Grundlage will ich argumentieren, dass ein Zusammendenken dieser beiden filmtheoretischen und architektonischen Raumkonzeptionen ein politisch und sozial situiertes Verständnis von filmischem Raum ermöglicht: die Betrachtung des filmischen Raums kann so das Verhältnis zwischen Kinoraum und Stadtraum (wie es im ersten Teil der Dissertation entwickelt wird) mit einbeziehen. Damit entwickelt meine Dissertation ein Verständnis von filmischem Raum, das an ein Raumparadigma anschließt, das in der kritischen Stadtforschung, in der Queer Theory und in feministischer Kinotheorie entwickelt wurde, „where localities can in a sense be present in one another, both inside and outside at the same time“ (Doreen Massey).

Texte

Beobachten, wie es anders sein könnte
Text zum politischen Potential von ‚Observational Cinema‘ in City Hall (Frederick Wiseman, 2020) und Für die Vielen (Constantin Wulff, 2022). Erschienen 2024 in Protokult, dem Blog der Duisburger Filmwoche. Link: https://protokult.de/blog/distanzmontage-beobachten-wie-es-anders-sein-koennte/

Im Kino mehrheimisch werden
Text zu postmigrantischer und transnationaler Kinopraxis. Erschienen 2023 in: Schmitt, Elisa Maria, Theresa Zwerschke: Bewegliche Bilder. Berlin 2023. Nur gedruckt erschienen.

Fokus #2: Architektur und Neoliberalismus
Redaktion des Themenschwerpunkts. Erschienen 2020 in Jugend ohne Film.
Link: www.jugendohnefilm.com/fokus

I’m all lost in the supermarket, I can no longer shop happily
Text zu Utopie, Apokalypse und der neoliberalen Stadt im Film Nocturama (Bertrand Bonello, 2016). Erschienen 2020 in Jugend ohne Film (zusammen mit Max Grenz). Link: www.jugendohnefilm.com/im-all-lost-in-the-supermarket-i-can-no-longer-shop-happily-nocturama-bertrand-bonello

Cinderella’s Slums
Text zu postmoderner Architektur, Disney World und Neorealismus im Film The Florida Project (Sean Baker, 2017). Erschienen 2020 in Jugend ohne Film. Link: www.jugendohnefilm.com/cinderellas-slums-the-florida-project-sean-baker

Gemeinsam Einsam – Laptop-Musikvideos
Text zu Einsamkeit, Gemeinschaft und digitalen Ästhetiken in den Musikvideos von Kevin Abstract, Holly Herndon, Vince Staples und Nok from the Future. Erschienen 2016 in Norient – Network for Local and Global Sounds and Media Culture. Link: www.norient.com/video/gemeinsam-einsam

Wolken beobachten mit Cinderella
Text zu vier verschiedenen Cinderella-Verfilmungen: Aschenputtel (Lotte Reiniger, 1922), Cinderella (Clyde Geronimi/Wilfred Jackson/Hamilton Luske, 1950), La jeune fille et les nuages (Georges Schwizgebel, 2000) und Cinderella (Kenneth Branagh, 2015). Erschienen 2015 in Y+ Young Swiss Magazine: Ausgabe No. 6 zum Thema ‚Flirt‘. Nur gedruckt erschienen.

 

Filmreihen, Screenings, Ausstellungsprojekte und Veranstaltungen                                                                                                 

Mapping the Archive
Projektleitung und Ko-Kuration mit Natalie Keppler. Online-Plattform mit Digitalisaten von Filmen und Videos aus dem Archiv des Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Link: www.mappingthearchive.de

If the Berlin Wind Blows My Flag – Art and Internationalism before the Fall of the Berlin Wall
Assoziierter Kurator des Ausstellungsprojekts If the Berlin Wind Blows My Flag – Art and Internationalism before the Fall of the Berlin Wall im Rahmen des 60. Jubiläums des Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Veranstaltungsorte: daadgalerie, Neuer Berliner Kunstverein n.b.k, Akademie der Künste, Galerie im Körnerpark, Berlin. Link: https://www.berliner-kuenstlerprogramm.de/de/events/if-the-berlin-wind-blows-my-flag-kunst-und-internationalisierung-vor-dem-mauerfall/

Soul Sisters – Schwesternschaften: Screening mit den Filmen Iris (1971), Baroque Statues (1970-74) und Alice (1974/79) von Maria Lassnig und Damned If You Don’t (1987) von Su Friedrich
Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: daadgalerie, Berlin.

Italienische Gastarbeiter*innen in Berlin: Screening von Lottando la Vita – Lavoratori Italiani a Berlino (Videobase: Anna Lajolo, Alfredo Leonardi, Guido Lombardi, 1975)
2023. Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: daadgalerie, Berlin.

Berlin Lost – Auf der Suche nach einem jüdischen Berlin:  Screening mit Ein verlorenes Berlin von Richard Kostelanetz & Martin Koerber (1983) und Cooperation of Parts von Daniel Eisenberg (1987)
Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: daadgalerie, Berlin

Filmische Annäherungen an West-Berlin: Open Air Screening mit den Filmen Aufenthaltserlaubnis von Antonio Skármeta (1978), Das Schlesische Tor von Clemens Klopfenstein (1982), Berlin: Tourist Journal von Ken Kobland (1988) und Austausch / Exchange von Egon Bunne (1982)
Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: Innenhof des Kunstquartier Bethanien, Berlin.

Screening von Persistence (Daniel Eisenberg, 1997). Anschließend Gespräch zwischen Shelly Silver und Daniel Eisenberg
Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: daadgalerie, Berlin.

Ausstellung Mapping the Archive mit Filmen, Videos und Dokumenten aus dem Archiv des Berliner Künstlerprogramm des DAAD
Ko-Kuration mit Natalie Keppler.
Veranstaltungsort: daadgalerie, Berlin.

Filmgespräch zu Özgürlesen Seyirci (Audience Emancipated) von Emek Bizim İstanbul Bizim initiative (im Rahmen der Tagung „Cinema of Commoning“)
Publikumsgespräch mit Senem Aytaç, Mitglied des Kollektivs Emek Bizim İstanbul Bizim initiative.
Veranstaltungsort: Sinema Transtopia, Berlin.

Cinema of Commoning 2022
Konzeptuelle Redaktion, Koordination Filmkopien und organisatorische Mitarbeit. Symposium zu alternativer Kinopraxis mit einem kollektiv kuratierten Filmprogramm, das simultan in unabhängigen Kinos in Bangkok, Jakarta, Istanbul, Dubai, Santiago de Chile, Cluj-Napoca und Luanda gezeigt wurde.
Veranstaltungsorte: Sinema Transtopia (Berlin), CCC - Centro de Cine y Creación (Santiago de Chile), Cine Geração (Luanda), Cinema Akil (Dubai), Cinema ARTA (Cluj-Napoca), Documentary Club (Bangkok), Forum Lenteng (Jakarta), Kundura Cinema (Istanbul). Link: https://cinemaofcommoning.com/2022/

Mit dem Haushalt rechnen!
Filmreihe zu Reproduktionsarbeit und Care Work nach der Deindustrialisierung im Norden Berlins.
Veranstaltungsort: Sinema Transtopia, Berlin. Link: https://sinematranstopia.com/de/program/film-series/mit-dem-haushalt-rechnen

Freie Universität Berlin
Humboldt Universität zu Berlin
Universität der Künste Berlin
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