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Johanna Kurzke

Gesellschaftswandel und Gattungsnormen - Veza Canettis und Anna Gmeyners Dramen und Romane der 1930er Jahre

Mein Vorhaben setzt sich am Beispiel der Autorinnen Veza Canetti und Anna Gmeyner mit der Normativität von literarischen Gattungen auseinander. Dem Roman und Drama liegen verschiedene Formen von Regelhaftigkeiten zugrunde. Die von außen an die Autorinnen gerichteten und je nach Gattung geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Anforderungen wirken auf ihren Umgang mit Gattungsnormen und den Strukturen der Normen selbst ein.

Für die Diskussionen des Kollegs bringe ich einen Denkansatz mit, der dem Abweichen und Anwenden von Regeln gleichermaßen das Potential einer kritischen Reflexion von Normen zuspricht und sich spezifisch für die Wirksamkeit der Verflechtung beider Phänomene interessiert. Die ausgewählten Autorinnen bieten sich hierfür in besonderem Maße an: Die als weiblich, jüdisch und politisch links markierten Schreibpositionen, die Thematisierung gesellschaftlicher Missstände, der polyvalente Umgang mit den Gattungen und ihren Traditionen und die Konflikte der Zwischenkriegsjahre erzeugen ein komplexes Gefüge, vor dessen Hintergrund das Verhältnis zu Normen einerseits und andererseits die Struktur der Normen selbst verhandelt werden. Die ausgewählten Texte changieren zwischen der Bindung an Gattungskonventionen, der Suche nach neuen Ausdrucksformen und dem Bruch mit den (z.T. bereits zur Norm avancierten) Forderungen an eine moderne Literatur. Gattungs- und Geschlechter- bzw. Gesellschaftsfragen sind hierbei stets eng verkoppelt. Die Arbeit am literarischen Text soll mit einem theoretischen Interesse an der Beschaffenheit von Gattungsnormen – in Zeiten eines gesellschaftlichen und künstlerischen Wandels – verbunden werden.

Meinem Projekt liegt ein interdisziplinärer Ansatz zugrunde. Fragen der Aufführungspraxis oder die Rolle des Theaters als Institution werden für eine Untersuchung der Dramen von Bedeutung sein. Schließlich wird überprüft, inwiefern die christlich-jüdische Tradition und biblische Erzählungen strukturgebend auf die Exilromane wirken.

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